IMSA-Klassen erklärt: GTP, LMP2, GTD Pro und GTD

Die vier IMSA-Klassen im Überblick: Was GTP, LMP2, GTD Pro und GTD bedeuten, welche Autos und Fahrer antreten — und wie sich die Klassen technisch unterscheiden.

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Die vier IMSA-Klassen GTP, LMP2, GTD Pro und GTD auf der Strecke.
Vier Klassen, ein Feld: GTP, LMP2, GTD Pro und GTD teilen sich in der IMSA die Strecke.

Die IMSA SportsCar Championship gehört zu den bedeutendsten Langstreckenmeisterschaften der Welt. Ihr Markenzeichen ist das Mehrklassenrennen: Prototypen und GT-Fahrzeuge teilen sich gleichzeitig dieselbe Strecke. Dadurch kämpfen nicht nur Fahrzeuge innerhalb ihrer eigenen Klasse gegeneinander, sondern müssen permanent den Verkehr mit schnelleren oder langsameren Fahrzeugen bewältigen.

Das stellt hohe Anforderungen an Fahrer, Ingenieure und Strategen. Überrundungen, Reifenmanagement, Kraftstoffstrategie und das Timing von Boxenstopps sind häufig genauso entscheidend wie die reine Fahrzeugperformance.

Die Meisterschaft besteht aus vier Hauptklassen:

  • GTP
  • LMP2
  • GTD Pro
  • GTD

Obwohl alle Fahrzeuge gleichzeitig fahren, unterscheiden sie sich grundlegend in Konstruktion, Technik und Fahrerbesetzung.


GTP – Die Königsklasse

GTP (Grand Touring Prototype) bildet die höchste Kategorie der IMSA. Die Fahrzeuge sind reine Rennprototypen und repräsentieren die modernste Fahrzeugtechnik der Meisterschaft.

Seit 2023 basiert die Klasse auf dem internationalen LMDh-Reglement (Le Mans Daytona h). Dieses ermöglicht Herstellern, mit demselben Fahrzeug sowohl in der IMSA als auch bei den 24 Stunden von Le Mans und der FIA World Endurance Championship (WEC) anzutreten.

Fahrzeugkonzept

GTP-Fahrzeuge besitzen:

  • geschlossenes Carbon-Monocoque
  • hochentwickelte Aerodynamik
  • Hinterradantrieb
  • einheitliches Hybridsystem
  • herstellerspezifischen Verbrennungsmotor

Während das Hybridsystem standardisiert ist, entwickeln die Hersteller Motor, Karosserie, Kühlung und Fahrzeugabstimmung selbst. Dadurch bleibt ein technischer Wettbewerb erhalten, ohne dass die Kosten unbegrenzt steigen.

Hybridantrieb

Alle GTP-Fahrzeuge verwenden:

  • standardisierte Elektromaschine
  • standardisierte Batterie
  • standardisiertes Getriebegehäuse

Die Elektromaschine unterstützt den Verbrennungsmotor beim Beschleunigen und gewinnt beim Bremsen Energie zurück. Die Gesamtleistung wird durch das Reglement und die Balance of Performance auf etwa 680 PS (500 kW) begrenzt.

Hersteller

Aktuell treten unter anderem folgende Hersteller an:

Jeder Hersteller verfolgt dabei ein eigenes Motorkonzept – vom frei saugenden V8 bis zum aufgeladenen V6.


LMP2 – Die Prototypen für Kundenteams

LMP2 bildet die zweithöchste Prototypenklasse.

Im Gegensatz zu GTP steht hier nicht der Herstellerwettbewerb im Mittelpunkt, sondern ein kosteneffizientes, weitgehend standardisiertes Reglement.

Heute setzt praktisch das gesamte Starterfeld den Oreca 07 ein.

Einheitliche Technik

Alle Fahrzeuge verfügen über:

  • identisches Carbon-Chassis
  • Gibson-4,2-Liter-V8-Saugmotor
  • rund 600 PS
  • sequentielles Getriebe
  • kein Hybridsystem

Da Motor und Chassis nahezu identisch sind, entscheiden vor allem:

  • Fahrzeugsetup
  • Reifenmanagement
  • Strategie
  • Fahrerleistung
  • Datenanalyse

über Sieg oder Niederlage.

Dadurch gilt LMP2 als hervorragende Entwicklungsplattform für Nachwuchsfahrer und Renningenieure.


GTD Pro – Professioneller GT3-Sport

GTD Pro basiert auf dem weltweit etablierten GT3-Reglement.

Im Gegensatz zu den Prototypen entstehen GT3-Fahrzeuge aus Serien-Sportwagen. Das Grundkonzept des Straßenfahrzeugs bleibt erhalten, wird jedoch konsequent auf den Rennbetrieb ausgelegt.

Typische Umbauten

Im Vergleich zum Serienfahrzeug erhalten GT3-Rennwagen unter anderem:

  • vollständigen Überrollkäfig
  • Rennfahrwerk
  • Motorsport-Bremsanlage
  • sequenzielles Renngetriebe
  • umfangreiche Aerodynamik
  • Motorsport-Elektronik
  • Schnellbetankungssystem
  • Zentralverschluss-Räder

Obwohl viele Karosserieelemente dem Serienmodell ähneln, handelt es sich technisch um hochentwickelte Rennfahrzeuge.

Fahrer

GTD Pro ist die Klasse der professionellen Teams.

Typischerweise bestehen die Fahrerbesetzungen ausschließlich aus:

  • Werksfahrern
  • professionellen Rennfahrern
  • internationalen Spitzenpiloten

Dadurch entsteht innerhalb der GT-Klassen das höchste sportliche Niveau.


GTD – GT3 für Pro-Am-Teams

Technisch unterscheiden sich GTD-Fahrzeuge kaum von GTD Pro.

Auch hier kommen dieselben GT3-Fahrzeuge zum Einsatz.

Der Unterschied liegt ausschließlich in der Fahrerzusammensetzung.

Pro-Am-Konzept

Jedes Fahrzeug muss mindestens einen Amateurfahrer einsetzen.

Die Fahrer werden von der FIA klassifiziert:

  • Platinum
  • Gold
  • Silver
  • Bronze

Während GTD Pro überwiegend aus Platinum- und Gold-Fahrern besteht, treten in GTD Amateurfahrer gemeinsam mit professionellen Piloten an.

Dadurch können Kundenteams um Klassensiege kämpfen, ohne gegen reine Werksmannschaften antreten zu müssen.


Balance of Performance

Da die Fahrzeuge auf völlig unterschiedlichen Konzepten basieren, reguliert die IMSA ihre Leistungsfähigkeit über die sogenannte Balance of Performance (BoP).

Je nach Fahrzeug können angepasst werden:

  • Mindestgewicht
  • Motorleistung
  • Turboladedruck
  • Luftmengenbegrenzer
  • Bodenfreiheit
  • Energieeinsatz des Hybridsystems

Das Ziel besteht nicht darin, alle Fahrzeuge identisch schnell zu machen, sondern unterschiedliche technische Konzepte innerhalb eines vergleichbaren Leistungsfensters konkurrieren zu lassen.

Dadurch können Front-, Mittel- und Heckmotorfahrzeuge ebenso wie verschiedene Hubräume oder Aufladungskonzepte gegeneinander antreten.


Das Mehrklassenrennen

Das eigentliche Markenzeichen der IMSA ist nicht eine einzelne Fahrzeugklasse, sondern das gleichzeitige Rennen aller Klassen.

Während GTP-Prototypen Geschwindigkeiten von über 320 km/h erreichen können, liegen GT3-Fahrzeuge insbesondere in schnellen Kurven deutlich darunter.

Dadurch entstehen ständig Überrundungen.

Für beide Seiten gilt:

  • Der schnellere Fahrer trägt die Verantwortung für ein sicheres Überholmanöver.
  • Das langsamere Fahrzeug sollte berechenbar bleiben und seine Linie möglichst konstant halten.
  • Zeitverluste im Verkehr können über eine Renndistanz von mehreren Stunden entscheidend sein.

Gerade auf Stadtkursen oder engen Strecken wie Lime Rock Park, Long Beach oder Mosport gehört das Management des Verkehrs zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren.


Vergleich der IMSA-Klassen

KlasseFahrzeugtypLeistung*HybridFahrerbesetzung
GTPRennprototypca. 680 PSJaProfis
LMP2Rennprototypca. 600 PSNeinProfis und Nachwuchsfahrer
GTD ProGT3ca. 500–600 PSNeinProfis
GTDGT3ca. 500–600 PSNeinPro-Am

*Die tatsächliche Leistung variiert je nach Balance of Performance.